Filmbeitrag und Gesprächsrunde "Kindheit mit suchtkranken Eltern"

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25.03.2026

Unsere Persönlichkeit und viele unsere Meinungen bilden sich weiter durch Erlebnisse, beziehungen und Wege, die wir selbst wählen. Unsere Grunderfahrungen aber sind geprägt von den Geschichten, Erfahrungen und Systemen, in die wir hineingeboren werden. 

Im Rahmen eines "pädagogischen Nachmittas" haben sich im Musiksaal der Realschule Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und einige Gäste diesem Thema angenommen: Eine Kindheit und Jugend mit suchtkranken Eltern – einer Welt voller Herausforderungen, einem Alltag im Dilemma zwischen Liebe, Angst und Wut.

Aufzuwachsen mit Eltern die suchtkrankt sind heißt oft, Unsicherheiten, Willkür und Scham auszuhalten und früh auf sich selbst gestellt zu sein.

Im Kindergarten und Schulalter bedeutet dies vielleicht, dass keiner zum Elternabend, zum Bastelnachmittag geht, dass Einkäufe, Unterschriften, das Ausflugsgeld vergessen werden, dass die Hygiene vernachlässigt wird ...

Es heißt oft auch, ein Elternteil als hilflos, verschmutzt, aggressiv und verwirrt wahrzunehmen. Oft bedeutet es auch, sich im Familiensystem als gefangen zu erleben und kaum flüchten zu können, da man sich abgestempelt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlt. Viele Betroffene empfinden große Wut - gegen andere oder gegen sich, gegen das Leben, gegen das System, das nicht hilft und schweigt.

Die Folgen sind fatal: ca. ein Drittel der betroffenen Kinder hat später selbst eine Suchterkrankung und ein weiteres Drittel leidet unter psychischen Erkrankungen.

Jedem Dritten jedoch gelingt ein suchtfreies und weitgehend gesundes Leben. Hilfreich war dann die eigene innere Stärke, eine Leidenschaft für Musik, Sport, Kunst, Literatur oder ähnlichem oder die Aufmerksamkeit und Hilfe anderer.

N. Weber zeigte mit seinen Film- und Wortbeiträgen, wie aus schwierigen Erfahrungen eine Haltung wachsen kann, die andere stärkt und inspiriert.

Die anwesenden Schulsozialarbeiter_innen der umliegenden Schulen, Schulsozialarbeiter F. Nebel, einzelne Lehrkräfte und eine Mitarbeiterin der Realschule, sowie T. Kaluza-Rall (Polizei) nutzten die Zeit nach dem Filmbeitrag zum regen Austausch mit dem Referenten, z. B. „welche Reaktionen wären aus Ihrer Sicht hilfreich für betroffenen Kinder und Jugendliche?"

Danke, dass wir zu diesem sehr persönlichen Einblick eingeladen waren.