Das Berufswahlsiegel (BoriS)
ZurückDritte Rezertifizierung im Schuljahr 2025/2026
(Erstzertifizierung Schuljahr 2011/2012, erste Rezertifizierung im Schuljahr 2014/2015, zweite Rezertifizierung im Schuljahr 2020/2021)
Berufliche Orientierung als gemeinsame und dauerhaft verankerte Aufgabe
Die Realschule Rottweil hat ihre erneute Rezertifizierung für das BoriS-Berufswahl-SIEGEL Baden-Württemberg erfolgreich abgeschlossen. Damit wird die Schule bereits zum vierten Mal für ihre überdurchschnittliche und nachhaltig verankerte Berufliche Orientierung ausgezeichnet.
Das Siegel würdigt Schulen, die ihre Schülerinnen und Schüler besonders umfassend auf den Übergang in eine Ausbildung, einen Beruf oder eine weiterführende Schule vorbereiten. Dabei geht es nicht allein um einzelne Veranstaltungen oder Praktika. Entscheidend ist, dass die Berufliche Orientierung systematisch in den Schulalltag eingebunden, regelmäßig überprüft und kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Eine Auszeichnung mit langer Tradition
Die Realschule Rottweil erhielt das Berufswahl-SIEGEL erstmals im Jahr 2012. Im Jahr 2015 folgte die erste erfolgreiche Rezertifizierung. Die für 2020 vorgesehene nächste Überprüfung musste aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden und fand schließlich 2021 in digitaler Form statt. Auch dieses Audit schloss die Schule erfolgreich ab.
Fünf Jahre später stand nun die nächste Rezertifizierung an. Im Vorfeld dokumentierte die Schule ausführlich, wie sich ihre Berufliche Orientierung seit dem letzten Audit weiterentwickelt hat. Grundlage war ein umfangreicher Kriterienkatalog, der die drei Bereiche „Jugendliche im Fokus“, „System Schule“ und „Schule im Netzwerk“ umfasst.
Beim Audit am 20. März 2026 präsentierten die Verantwortlichen die bestehenden Strukturen, neue Angebote und konkrete Fortschritte. Im Mittelpunkt stand dabei nicht lediglich eine Aufzählung einzelner Maßnahmen. Vielmehr wurde dargestellt, wie diese Angebote miteinander verbunden, dokumentiert, reflektiert und an die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst werden.
Berufliche Orientierung beginnt früh
Die Berufliche Orientierung an der Realschule Rottweil ist über mehrere Klassenstufen hinweg aufgebaut. Bereits jüngere Schülerinnen und Schüler erhalten erste Einblicke in unterschiedliche Arbeitsbereiche. Dazu gehören beispielsweise der Schnuppertag im beruflichen Umfeld der Eltern, Einblicke in berufliche Schulen, der Girls’ und Boys’ Day sowie erste Betriebsbesichtigungen.
In den höheren Klassenstufen werden diese Erfahrungen zunehmend vertieft. Zum Angebot gehören unter anderem:
- der Besuch der STARTER-Ausbildungsmesse,
- der „Startschuss BO“,ein dreitägiges Praktikum in Klasse 8,
- ein fünftägiges Praktikum in Klasse 9,
- Besuche des Berufsinformationszentrums,
- Betriebsbesichtigungen,
- Bewerbungs- und Zukunftstrainings,
- Angebote von coaching4future,
- Ausbildungsbotschafter der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer,
- „Mission Future Skills“,
- das Azubi-Speeddating,
- Informationen über weiterführende Schulen und berufliche Gymnasien.
Hinzu kommen Praktikumseinzeltage im Rahmen der Praktikumswoche Baden-Württemberg. Freiwillige zusätzliche Praktika werden ebenfalls unterstützt. Bei Bedarf vermittelt und begleitet die Schule auch mehrtägige Praktika, Langzeitpraktika oder dauerhafte Praxistage.
Dadurch können die Jugendlichen verschiedene Berufsfelder kennenlernen und ihre eigenen Vorstellungen überprüfen. Neben kaufmännischen und technischen Berufen werden gezielt auch soziale, gesundheitliche und ernährungswissenschaftliche Arbeitsbereiche einbezogen.
Stärken erkennen und Erfahrungen auswerten
Ein wesentlicher Entwicklungsschwerpunkt der vergangenen Jahre war der Ausbau von BOaktiv. Das Programm unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, ihre überfachlichen Kompetenzen besser einzuschätzen und weiterzuentwickeln.
Dabei werden unterschiedliche Perspektiven miteinander verbunden:
- die Selbsteinschätzung der Jugendlichen,
- Rückmeldungen durch andere Personen,
- Erfahrungen aus Praktika und praktischen Aufgaben,
- Anforderungen und Kompetenzprofile verschiedener Berufsfelder.
Diese Ergebnisse werden in individuellen Rückmelde- und Fördergesprächen aufgegriffen. Die Schülerinnen und Schüler können so erkennen, welche Fähigkeiten bereits gut ausgeprägt sind und in welchen Bereichen eine weitere Entwicklung sinnvoll ist.
Auch die Reflexion der Praktika wurde weiter systematisiert. Die Praxiserfahrungen werden im Unterricht, in Berichten, Präsentationen und persönlichen Gesprächen ausgewertet. Rückmeldungen der Betriebe werden ebenfalls berücksichtigt. Ein Praktikum bleibt damit kein isoliertes Erlebnis, sondern wird zu einem wichtigen Bestandteil des persönlichen Berufswahlprozesses.
Individuelle Unterstützung bei unterschiedlichen Voraussetzungen
Nicht alle Jugendlichen benötigen dieselbe Form der Unterstützung. Deshalb wurde die individuelle Begleitung weiter ausgebaut.
Bei Bedarf helfen Lehrkräfte und weitere schulische Ansprechpersonen bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz, bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen oder bei Online-Anmeldeverfahren. Auch beim Übergang auf berufliche Schulen oder andere weiterführende Bildungswege erhalten die Schülerinnen und Schüler Unterstützung.
Bei besonderen persönlichen oder familiären Herausforderungen kann die Schulsozialarbeit einbezogen werden. Dabei kommen auch Erfahrungen aus der Jugendberufswegbegleitung zum Einsatz. Für Eltern mit geringen Deutschkenntnissen stehen bei Bedarf verschiedene mehrsprachige Unterstützungsmöglichkeiten sowie ein Übersetzungsgerät zur Verfügung.
Ziel ist es, möglichst keinen Jugendlichen im Berufsorientierungsprozess allein zu lassen und auch bei schwierigeren Ausgangslagen tragfähige Perspektiven zu entwickeln.
Berufliche Orientierung ist eine Gesamtaufgabe
An der Realschule Rottweil wird Berufliche Orientierung nicht ausschließlich als Aufgabe einzelner WBS-Lehrkräfte betrachtet. Sie ist vielmehr eine schulische Gesamtaufgabe, an der viele Fächer, Lehrkräfte und weitere Mitarbeitende beteiligt sind.
Das BO-Team wurde in den vergangenen Jahren weiter strukturiert. Fachlich qualifizierte Lehrkräfte übernehmen besondere Aufgaben, beispielsweise im Bereich BOaktiv. Erfahrungen aus Fortbildungen, Netzwerktreffen und Kooperationen werden regelmäßig in die Fachschaften, das Kollegium und die Schulleitung weitergegeben.
Wichtige Prozesse und Materialien werden zentral im Schul-Wiki und über FILR dokumentiert. Dadurch bleiben Abläufe nachvollziehbar und können unabhängig von einzelnen Personen langfristig gesichert werden.
Auch digitale Formen der Information und Kommunikation wurden ausgebaut. Berufsvorstellungen können beispielsweise über Videos vermittelt werden. Über die Homepage und die schulische Instagram-Arbeitsgemeinschaft werden Projekte und Angebote transparent dargestellt. Perspektivisch soll auch die digitale Dokumentation des individuellen Berufswahlprozesses weiterentwickelt werden.
Regelmäßige Überprüfung statt Stillstand
Ein wesentliches Merkmal der Beruflichen Orientierung ist die kontinuierliche Qualitätsentwicklung. Angebote werden durch Fragebögen, Rückmeldungen und Gespräche regelmäßig überprüft.
Die Ergebnisse werden in den Fachschaften, im Kollegium und mit den Netzwerkpartnern ausgewertet. Bewährte Maßnahmen werden weitergeführt, andere angepasst oder ergänzt. Ein besonderer Schwerpunkt lag in den vergangenen Jahren auf der stärkeren Einbeziehung der Schülermeinungen.
Damit greift die Schule auch eine Empfehlung aus dem vorherigen Audit auf: Entwicklungsfelder und mögliche „blinde Flecken“ sollen nicht nur erkannt, sondern gezielt bearbeitet werden. Die Rezertifizierung dient daher nicht allein als Bestätigung der bisherigen Arbeit, sondern zugleich als Anstoß für weitere Verbesserungen.
Ein starkes Netzwerk außerhalb der Schule
Ohne außerschulische Partner wäre eine praxisnahe Berufliche Orientierung nicht möglich. Die Realschule Rottweil arbeitet deshalb eng mit Betrieben, sozialen Einrichtungen, Kammern, beruflichen Schulen und Beratungsstellen zusammen.
Zu den langjährigen Kooperationspartnern zählen unter anderem die Kreissparkasse Rottweil, Mahle, Kaufland, das Mehrgenerationenhaus Kapuziner und die Vinzenz-von-Paul-Einrichtungen. Weitere Partnerschaften werden fortlaufend geprüft und entwickelt.
Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und dem Campus beziehungsweise Netzwerk Schule-Wirtschaft. Die Schule beteiligt sich auch an Pilotprojekten, beispielsweise zur Auswertung der weiteren Bildungs- und Berufswege ehemaliger Schülerinnen und Schüler.
Ausbildungsbotschafter, Fachleute aus unterschiedlichen Berufsfeldern, Eltern und ehemalige Schülerinnen und Schüler bringen ihre eigenen Erfahrungen ein. Dadurch erhalten die Jugendlichen authentische Informationen aus Ausbildung, Beruf und weiterführenden Schulen.
Orientierung für den nächsten Schritt
Die erneute erfolgreiche Rezertifizierung bestätigt den eingeschlagenen Weg der Realschule Rottweil. Die Berufliche Orientierung wurde in den vergangenen fünf Jahren erweitert, stärker systematisiert und individueller auf die Schülerinnen und Schüler ausgerichtet.
Entscheidend bleibt jedoch nicht das Siegel allein. Entscheidend ist, dass Jugendliche ihre Stärken erkennen, praktische Erfahrungen sammeln, unterschiedliche Wege kennenlernen und auf dieser Grundlage eine möglichst gut begründete Entscheidung für ihre Zukunft treffen können.
Die Realschule Rottweil wird ihre Angebote deshalb auch in den kommenden Jahren überprüfen, weiterentwickeln und gemeinsam mit ihren Partnern an neue Anforderungen anpassen.



